Bericht über den Zertifizierungsprozess der Places of Peace-Route als Kulturweg des Europarates

Bericht
Über den Zertifizierungsprozess der Places of Peace-Route als Kulturweg des Europarates

Das Europäische Netzwerk Places of Peace (ENPP) präsentierte im September 2017 die Kandidatur der Places of Peace-Route als Kulturweg des Europarates, die in den Bewertungszyklus 2018/2019 überführt wurde. Diese Kandidatur basierte auf der Tatsache, dass ihr allgemeines Thema - der Frieden - und ihr spezifisches Thema - die Orte in Europa, an denen Friedensverträge unterzeichnet wurden - ein echter europäischer Wert sind.
Die Kandidatur der Places of Peace-Route hat 11 Standorte in 8 europäischen Ländern integriert, darunter die Hubertusburg, das Schloss Altranstädt und Bautzen im Freistaat Sachsen.
Es ist dem ENPP gelungen, als einer von acht Kandidaten in die Endrunde der Zertifizierung beim Europarat zu gelangen. Auch wenn wir in diesem Jahr nicht als Europäischer Kulturweg bestimmt wurde, sehen der Vorstand und die Mitglieder in diesem Gesamtprozess eine große Anerkennung der jahrelangen erfolgreichen Arbeit unserer Organisation.
Der gesamte Prozess, der mit dieser Kandidatur verbunden war, hatte zusätzlich viele positive Aspekte für unser Netzwerk und unsere Route. Er ermöglichte es insbesondere, die Diskussion über die fast vergessenen Europäischen Friedensverträge auf die Ebene der europäischen Institutionen zu führen und die spezifischen Inhalte der Route intern zu vertiefen. Die offentliche Wahrnehmung unserer Route und seine Sichtbarkeit wurde auf europäischer und globaler Ebene deutlich erhöht und dazu eine neue Website geschaffen, die der Route und ihren Orten mit Versionen in Englisch, Deutsch und Portugiesisch gewidmet ist. Zudem wurde der Wissenschaftliche Beirat der Places of Peace-Route gebildet, der renommierte Wissenschaftler aus den Bereichen Geschichte und Kulturtourismus aus allen Ländern der Route integriert. Unsere Kandidatur hat sogar dazu beigetragen, das Verfahren des Europarates zur Bewertung von Kulturwege weiter zu entwickeln.
Das ENPP und die Places of Peace-Route werden konsequent weiterarbeiten. Wir haben nicht mit der Zertifizierung durch den Europarat begonnen und werden nicht enden, weil wir in diesem Jahr diese Zertifizierung noch nicht erhalten haben. Wir werden weiterhin auf unsere Ziele an jedem Ort und auf europäischer Ebene hinarbeiten, eventuell einschließlich der Erlangung anderer bestehender europäischer Zertifizierungen.
Die Vorbereitung und Entwicklung dieser Kandidatur war nicht nur die Arbeit der Direktion des ENPP und des Koordinators für die Friedensroute, sondern hatte alle ENPP-Mitglieder in den acht europäischen Mitglieds-Ländern aktiv einbezogen, sowie auch viele andere externe Personen und Institutionen, die diese Initiative unterstützt haben.
Allen, die diesen Prozess unterstützt haben, möchten wir in der Gewissheit danken, dass sie die zukünftigen Aktivitäten und Initiativen unseres Netzwerks weiterhin unterstützen werden.
                                                                                                                                          Mai 2019
Der Vorstand des Europäischen Netzwerks der Orte des Friedens

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Die Oschatzer Allgemeine Zeitung schreibt am 9. August 2019 dazu:

Kein Kulturweg – aber auch kein Aufgeben

Netzwerk mit Schloss Hubertusburg will Friedensarbeit fortsetzen / Potenzial breiter Unterstützung nutzen

Wermsdorf

Nach anderthalb Jahren Mühe und Hoffen steht nun fest, dass die Places-of-Peace-Route nicht als Europäischer Kulturweg zertifiziert wird. Zumindest noch nicht.

Vertreter von insgesamt elf europäischen Orten, an denen Friedensverträge geschlossen wurden, hatten gemeinsam die Bewerbung auf den Weg gebracht. Daran hatte sich auch der Freundeskreis Hubertusburg beteiligt, schließlich wurde hier 1763 der Hubertusburger Frieden ratifiziert – ein Schlusspunkt unter dem Siebenjährigen Krieg. Das Netzwerk Places of Peace – Orte des Friedens – wollte solche Stätten in insgesamt acht Ländern auf einer Kulturroute miteinander verbinden.

Im Februar war deshalb eine Gutachterin vor Ort, um die Bewerbungen von Hubertusburg, Altranstädt und Bautzen – den drei deutschen Mitgliedern – zu prüfen. „Ich entscheide allerdings nicht darüber“, machte Maria Gravari-Barbas klar, „sondern gebe meinen Bericht an die Vertreter der Kommission weiter, die dem Europarat dann Vorschläge zur Zertifizierung machen wird.“

Das Europäische Netzwerk Places of Peace hatte es als eines von acht Kandidaten immerhin bis in die Endrunde der Zertifizierung geschafft. Dort war dann allerdings Schluss, eine Anerkennung als Europäischer Kulturweg ist nicht erfolgt. Von Katzenjammer aber keine Spur: „Auch wenn wir in diesem Jahr nicht als Europäischer Kulturweg bestimmt wurden, sehen der Vorstand und die Mitglieder in diesem Gesamtprozess eine große Anerkennung der jahrelangen erfolgreichen Arbeit unserer Organisation“, heißt es vom Netzwerk.

Der Prozess der Kandidatur habe viel Gutes gehabt. So sei eine eigene Internetseite entstanden, auf der die Route und die einzelnen Orte vorgestellt werden. Zudem sei insgesamt die öffentliche Wahrnehmung der Friedensorte deutlich gestiegen.

Das unterstreicht auch Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller (CDU). „Die Hubertusburg und die anderen Friedensorte sind wieder mehr ins Bewusstsein gerückt – und allein das ist schon wichtig“, meinte er. Dennoch sei es schade, dass es nicht zur Zertifizierung gekommen ist. „Das finde ich bedauerlich, weil in die Bewerbung ganz viel Arbeit gesteckt wurde.“

Beim Netzwerk selbst setzt man darauf, dass diese Bemühungen einen weitreichenden Effekt haben. So würden sowohl das Netzwerk als auch die Beteiligten an der Friedensroute weiterarbeiten. Außerdem sei in den vergangenen Monaten der wissenschaftliche Beirat der Places-of-Peace-Route ins Leben gerufen worden, in dem Experten zu Geschichte und Kulturtourismus aus allen beteiligten Ländern engagiert sind. „Unsere Kandidatur hat sogar dazu beigetragen, das Verfahren des Europarates zur Bewertung von Kulturwegen weiter zu entwickeln“, ist man beim Zusammenschluss stolz.

Und auch Ideen, wie man sich künftig noch besser vernetzen könnte, wurden in Wermsdorf schon vorgestellt. Als Beispiel nannte Ulf Müller die Möglichkeit, Veranstaltungen gezielt für Jugendliche anzubieten. Dahingehend habe man vor Ort bereits seit Jahren Erfahrungen, versicherte der Vorsitzende des Freundeskreis Schloss Hubertusburg Wolfgang Köhler und verwies auf die aller zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbe zum Jugendfriedenspreis. „Wir merken immer wieder, dass den jungen Menschen das Thema sehr am Herzen liegt und es ist spannend, welchen Blick Jugendliche auf den Frieden haben“, hatte er zur Präsentation deutlich gemacht.

Während der ganzen Zeit der Bewerbung zur Kulturroute habe es eine aktive Zusammenarbeit im Netzwerk Places of Peace und eine breite Unterstützung gegeben. Dafür wolle man allen danken, unterstrich Ulf Müller vom Vorstand des Netzwerkes. „Viele Entwicklungen hier in Hubertusburg geben uns Mut zum Optimistisch-Sein und zum Weitermachen“, blickte er nach vorn. Man werde mit der begonnenen Arbeit nicht aufhören, nur weil es jetzt nicht mit der Zertifizierung zur Kulturroute geklappt hat. So könnte die Anerkennung in Zukunft womöglich auch durch andere europäische Bescheinigungen geprüft werden.

Dafür würde Wermsdorfs Bürgermeister gern die Unterstützung eines Brüsseler Parteifreundes nutzen. „Ich würde vorschlagen, auch unseren EU-Abgeordneten Peter Jahr mit ins Boot zu holen“, so Matthias Müller. Er könne sicherlich helfen, eventuelle Schwachstellen in der Bewerbung zu beheben und damit die Chancen zu steigern, dass die gemeinsame Route mit Schloss Hubertusburg und anderen europäischen Friedensorten doch noch als Kulturweg anerkannt wird. Denn an der Bedeutung dessen habe sich nichts geändert, ist Müller überzeugt: „Frieden ist für uns heute wichtiger denn je. Deshalb ist es notwendig, jede Möglichkeit, das Thema in den Fokus zu rücken, zu nutzen.“

Redakteurin Jana Brechlin

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Report
About the certification process of the Places of Peace Route as a Cultural Route of the Council of Europe

In September 2017, the European Network Places of Peace (ENPP) presented the candidacy of the Places of Peace Route as a cultural route of the Council of Europe, which was transferred to the evaluation cycle 2018/2019. This candidacy was based on the fact that its general theme - peace - and its specific theme - the places in Europe where peace treaties were signed - are of genuine European value.
The Places of Peace Route candidature integrated 11 sites in 8 European countries, including Hubertusburg, Altranstädt Castle and Bautzen in the Free State of Saxony.
The ENPP was one of eight candidates to reach the final round of certification at the Council of Europe. Even though we have not been designated as a European Cultural Route this year, the Board and the members see this overall process as a great recognition of the many years of successful work of our organisation.
The whole process involved in this candidacy also had many positive aspects for our network and our route. In particular, it enabled the discussion on the almost forgotten European Peace Treaties to be taken to the level of the European institutions and the specific contents of the Route to be deepened internally. The public perception of our route and its visibility at European and global level has been significantly increased and a new website has been created dedicated to the route and its locations with versions in English, German and Portuguese. In addition, the Places of Peace Route Scientific Advisory Board has been set up, integrating renowned scientists from the fields of history and cultural tourism from all the countries on the route. Our candidacy has even helped to develop the Council of Europe's procedure for evaluating cultural itineraries.
The ENPP and the Places of Peace Route will continue to work consistently. We have not started with the certification by the Council of Europe and will not end because we have not yet received this certification this year. We will continue to work towards our goals at every location and at European level, possibly including obtaining other existing European certifications.
The preparation and development of this candidacy was not only the work of the ENPP management and the Peace Route coordinator, but had actively involved all ENPP members in the eight European member countries, as well as many other external persons and institutions who supported this initiative.
We would like to thank all those who have supported this process in the certainty that they will continue to support the future activities and initiatives of our network.
                                                                                                                                         May 2019
The Board of the European Network of Places of Peace